07.06.2021: Sehr geehrter Herr Eras, Sie sind für den Bereich Geschäftsentwicklung Energie und Umwelt der LINDIG Gruppe verantwortlich. Bitte geben Sie einen kurzen Überblick, in welchen Geschäftsbereichen die LINDIG Gruppe tätig ist und welche Produkte sie in ihrem Portfolio hat.

Als Familienunternehmen in 4. Generation ist die LINDIG Gruppe in 4 Geschäftsbereichen aktiv. Die Basis unserer Aktivitäten bildet die LINDIG Fördertechnik GmbH, mit der wir als Vertragshändler von Linde Material Handling für eine reibungslose Intralogistik bei unseren Kunden sorgen.

Die Vermietung von Höhenzugangstechnik als SYSTEM LIFT Partner bildet ist die 2. Säule.

Unter dem Dach der LIFT Holding GmbH kamen in den letzten Jahren Aktivitäten im Bereich der Energie- und Umwelttechnik sowie der Luftfahrt als 3. und 4. Säule hinzu.

Die Klammer bildet das Thema Energie. Von der Erzeugung, über die Speicherung bis hin zur Verwendung. Dahingehend beschäftigen wir uns intensiv mit neuen Technologien rund um das Thema Wasserstoff. Brennstoffzellenantriebe werden aktuell schon in Flurförderzeugen eingesetzt und werden in der Zukunft der Luftfahrt eine große Rolle spielen wird.

Welche Agenda hat die LINDIG Gruppe für sich definiert?

Mit allem was wir tun, möchten wir einen positiven Effekt auf unsere Region und die Gesellschaft erzeugen.

Jens-Uwe Eras, Geschäftsentwicklung Energie & Umwelt der LINDIG Gruppe, Foto: LINDIG Gruppe

Die wahrscheinlich größte Herausforderung stellt der Klimawandel dar. Die Senkung der CO2 Emissionen ist der wichtigste gesellschaftliche Beitrag, den Unternehmen die nächsten Jahre leisten müssen.

Aus dem Energie- und Umweltbereich der LINDIG Gruppe heraus, wollen wir mit unserer täglichen Arbeit einen signifikanten Beitrag leisten, die Klimabilanz unserer Kunden zu verbessern, eine nachhaltige Unternehmensführung zu etablieren, um so unternehmerischen Fortschritt zu ermöglichen.

Der European Green Deal ist ein von der Europäischen Kommission vorgestelltes Konzept. Ziel ist es bis 2050 die Netto-Emissionen von Treibhausgasen auf null zu reduzieren und somit als erster Kontinent klimaneutral zu werden. Wie beurteilen Sie dieses Konzept?

Dem Klimawandel entgegenzuwirken, ist die wichtigste gesellschaftliche Aufgabe unserer Zeit, um den nächsten Generationen ein intaktes Ökosystem zu übergeben. Insofern ist es essentiell verbindliche Vorgaben zu machen. Aktuell ist die Bundesregierung aufgefordert, das bisherige Klimaschutzgesetz zu überarbeiten. Dieses war über 2030 hinaus nicht klar genug und nicht weitreichend genug formuliert.

Wie wird sich die Industrie in diesem Zusammenhang verändern müssen?  

75 % der CO2 Emissionen kommen aus den Bereichen Energieerzeugung, Industrie und Verkehr. Durch die anstehende Verschärfung des Klimaschutzgesetzes – Reduktion der Treibhausgase um 65% bis 2030, statt bisher 55% – müssen Unternehmen in den nächsten 9 Jahren in den Bereichen Energie, Transport und Produktion die Emissionen massiv senken.

Ein Greenwashing über CO2 Zertifikate ist dabei nur eine temporäre Lösung. Durch den regulatorischen Rahmen, die CO2 Bepreisung und die schnell steigenden Anforderungen der Kunden werden die Unternehmen zeitnah handeln müssen. Sinnvollerweise starten die Unternehmen mit der Ermittlung ihrer CO2 Emissionen, der Erstellung einer Roadmap in Kombination mit einer nachhaltigen Unternehmens-strategie zur Reduktion der Emissionen.

Könnte die Nachhaltigkeitsstrategie die Wettbewerbsfähigkeit Europas gegenüber anderen Ländern wie beispielweise der USA schwächen?

Das Gegenteil wird der Fall sein. Das Bewusstsein für nachhaltige Produkte und Dienstleistungen wächst stetig bei den Verbrauchern und wer sich nicht darauf einstellt wird einen Wettbewerbsnachteil spüren.

Darüber hinaus ist es erforderlich neue Technologien zu entwickeln. Aus meiner Sicht eine einmalige Chance für Europa, den verloren gegangen Boden bspw. gegenüber den USA wieder wett zu machen.

Was kann die LINDIG Gruppe zur Umsetzung des EU Green Deals beitragen?

Durch unsere Experten und unser Netzwerk, analysieren wir, schaffen Klarheit und Struktur, optimieren Stoff- und Energiekreisläufe bei unseren Kunden.

Wir begleiten die Umsetzung der gemeinsam erarbeiteten ganzheitlichen Lösung. Dabei unterstützen wir alle 3 wichtigen oben genannten Bereiche, beispielsweise durch den Einsatz von erneuerbaren Energien, Speicherlösungen, intelligent vernetztes Energiemanagement und E-Ladeinfrastruktur, Ermittlung des C02 Fußabdruckes, Einsatz von Wasserstofftechnologien, Abwärmenutzung und Prozessoptimierung.

Mit welchen Partnern arbeitet die LINDIG Gruppe an Energiesystemen für eine nachhaltige Intralogistik zusammen?

Feste Partner, nicht zuletzt durch direkte Beteiligungen der LINDIG Gruppe, sind maxx-solar aus Waltershausen und GridX aus Aachen. Beim induktiven Laden für Flurförderzeuge setzen wir auf das Freiburger Start-up wiferion, unter anderem wegen des besten Wirkungsgrades.

Weitere Partner haben wir beispielsweise für die Verifizierung und Zertifizierung von CO2 Emissionen, Backend- und damit Abrechnungslösungen für E-Ladeinfrastruktur und zukünftig auch für die automatisierte Abrechnung von eingesparten Treibhausgasquoten.

Gabelstapler im Einsatz, Foto: LINDIG Gruppe

Können Sie bitte abschließend bereits abgeschlossene Kundenprojekte mit erfolgreicher Umsetzung nennen?

Wir unterstützen unsere Kunden bei der Erarbeitung eines Wettbewerbsvorteiles und erlangen in den Projekten tiefe Einblicke in die Prozesse unserer Kunden, dies impliziert in den meisten Fällen eine hohe Vertraulichkeit.

Ein Beispiel, welches wir nennen dürfen, ist die Umstellung der LINDE Routenzüge auf LI-Ionen Batterietechnologie in Kombination mit induktiven Laden bei der Firma SMA Solar Technology AG in Kassel.

Den vollständigen Vortrag „Energiesysteme für eine nachhaltige Intralogistik“ von Jens-Uwe Eras finden Sie bitte HIER.