15.07.2021: Sehr geehrter Herr Wirsching, Sie sind Manager Produkte und Kundenlösungen im Bereich Batteriesystemlösungen bei der EnBW Energie Baden-Württemberg AG. Welche Batteriesystemlösungen bieten Sie für Ihre Kunden an?

Aktuell sehen wir vor allem Bedarf bei Photovoltaik-Projektierern, Industriekunden, Ladeinfrastrukturbetreibern und Quartiersentwicklern. Aus diesen Bereichen erreichen uns die meisten Anfragen. So unterschiedlich die Nutzer sind, so verschieden sind auch die Ziele, die sie mit dem Einsatz unserer Batteriesysteme verfolgen. PV-Projektierer können zum Beispiel mit einem Speicher Überschussproduktionen zeitversetzt einspeisen oder auch Eigenverbrauchsmodelle realisieren. Die Kombination von PV- und Speicheranlagen kommt bei den Innovationsausschreibungen inzwischen am häufigsten vor. Für Industriekunden ist vor allem die Möglichkeit interessant, mit dem Einsatz von Speichern Lastspitzen zu kappen und so Netznutzungsentgelte einzusparen. (Sonderfälle: atypische Netznutzung oder intensive Netznutzung)

Bild von andreas160578 auf Pixabay

Ladeinfrastrukturbetreiber sehen sich immer häufiger mit zu geringen Netzanschlussleistungen oder temporären Leistungspeaks konfrontiert. Auch in diesen Fällen kann unter Umständen ein Speicher eine Lösung sein. Ein Speicher kann außerdem den Grad der Autarkie in modernen Wohn- und Arbeitsquartieren steigern. In denen wird die Versorgung mit erneuerbarer Energie immer mehr zum festen Bestandteil. Außerdem gibt es noch viele weitere Einsatzgebiete.

Wie groß ist der Geschäftsbereich Energiespeicher innerhalb der EnBW? Gibt es Bestrebungen diesen in Zukunft weiter auszubauen?

Gegenwärtig hat die EnBW 10 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Geschäftsbereich Energiespeicher. Zu dem Geschäftsbereich gehört außerdem ein Joint Venture, die im Jahr 2017 gemeinsam mit Bosch gegründete Kraftwerksbatterie Heilbronn. Charakteristisch für das Thema Energiespeicher ist auch, dass es aufgrund seiner Komplexität viele unterschiedliche Bereiche einschließt: beispielsweise Technik oder Energiewirtschaft. Die Tendenz bei der EnBW ist jedenfalls klar: Es beschäftigen sich bei uns immer mehr Kolleginnen und Kollegen mit dem Thema Energiespeicher.

In einer Mitteilung vom 23.06.2020 auf ecomento war zu lesen, dass die EnBW an der Entwicklung stationärer Speicher für Strom aus den eigenen Wind- und Photovoltaik-Parks arbeitet. In welchem Entwicklungsstadium befindet sich dieses Vorhaben? Welches Unternehmen arbeitet an diesem Projekt mit der EnBW zusammen? Welcher Grundgedanke liegt dem Vorhaben zugrunde?

In diesem Artikel geht es um das „2ndLife Projekt“ mit unserem Partner Audi. Wir sind derzeit dabei, den Referenzspeicher zu bauen. Dabei werden Batterien aus Elektroautos vor deren Recycling nochmal in einem stationären Batteriespeicher eingesetzt. Der Grund dafür ist, dass moderne Fahrzeugbatterien eine längere Lebenserwartung als Fahrzeuge selbst haben. Weil sie zudem noch hohe Sicherheitsanforderungen erfüllen, eignen sie sich hervorragend auch für den stationären Einsatz. Indem wir die Batterien länger verwenden als bislang üblich, schonen wir Ressourcen und steigern die Nachhaltigkeit. Für uns ist es naheliegend, so die Kreislaufwirtschaft für Elektroautos voranzubringen. Schließlich treiben wir den Ausbau unserer Ladeinfrastruktur deutschlandweit voran und sind ein wichtiger Player in Sachen E-Mobilität auf dem heimischen Markt.

Für die EnBW-Speicher sollen ausgemusterte Batterien aus Elektroautos verwendet werden. Dies wäre eine ressourcenschonende Nutzung von Batterien nach ihrer Einsatzzeit im E-Auto. Gibt es bereits Pläne für ein effektives Recycling der Batterien nach der Nutzung als Speicher?

Zusammen mit unserem Partner Audi arbeiten wir bereits an der besten Lösung. Der Referenzspeicher dient nicht ausschließlich dem Nachweis der technischen Umsetzbarkeit. Mit ihm verfolgen wir einen ganzheitlichen Ansatz, der natürlich auch das Thema Recycling einschließt.